Eine Familiengeschichte aus trüben Zeiten - von Gert Redlich
Juli 2026 - Thema : Unsere Familiengeschichte - die Geschichte der beiden Redlichs Edgar und Gert in über 400 seltenen Fotografien bis zurück in die 1920er Jahre. Unsere Eltern Gerhard und Valeria Redlich waren beide Baujahr 1919 und hatten die reichsdeutsche Katastrophe von 1945 hautnah miterlebt.
Beide Elternteile waren zum Ende dieser 12 Jahre in den besten Jahren des Lebens, beide gutaussehend und von den Großeltern gut erzogen. Sie hatten sich 1938/1939 bei der UFA-Handel in Berlin kennengelernt, schätzen gelernt und sich im Sommer 1943 entschlossen - mitten im Krieg kurz nach der Stalingrad- Katastrophe -, den vielleicht letzten Weg des Lebens gemeinsam zu gehen. Es war eine für damalige Zeiten ganz normale Kriegsheirat - mit ein paar Besonderheiten. Doch darauf komme ich noch.
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Ich bin eine Hälfte des Ergebnisses vom Juni 1949 .....
Beide Elternteile kamen 1945 - zumindest körperlich - unversehrt aus den Kriegs- und Nachkriegswirren heraus. Alleine das war bereits eine Ausnahmesituation. Darum zuerst ein Blick auf die Gegebenheiten dieser Zeit.
Wieviel echte Liebe aus dieser Kriegsheirat vom 27. Oktober 1943 wirklich verblieben war, kann ich nachträglich nicht mehr beurteilen. Unsere Mutter Valeria vertraute mir - aber erst sehr sehr spät - an, daß es durchaus vergnügliche Stunden im Kuschelbett gegeben habe.
In der direkten Nachkriegszeit wohnten sie beide (zwangsläufig, denn Berlin und Hamburg waren platt) in einer vergammelten Mansarde im Ellricher Postamt ganz oben unter dem Dach - mit nur einem gemeinsamen Bett. Die Eltern unseres Vaters hatten die Dienstwohnung unten drunter. So sind mein Bruder (1947) und ich (1949) entstanden. Unser Geburtshaus, das alte inzwischen völlig vergammelte Ellricher Postamt, hatte ich dann nach der Wende in 1990 nochmal besucht und fotografiert. Man sieht hier im Jahr 1990 ganz brachial die 40 paradiesischen Jahre im Paradies des Arbeiter- und Bauernstaates - der Ostzone.
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Die Großeltern aus Hamburg und später Ellrich
Auch die Eltern unserer Eltern hatten die Kriegswirren mehr oder weniger angeschlagen überlebt.
Unsere Großeltern aus Hamburg-Barmbeck, Max und Selma Redlich verloren in den Hamburger Bombennächten alles. Das ehemals 4 oder 5 stöckige Postamt Barmbeck mit einer großen standesgemäßen Dienstwohnung war nur noch 1 Meter hoch. Es blieb wirklich nichts von dem bislang erarbeiteten und dennoch bescheidenem Wohlstand übrig. Unser Opa Max hatte darüber nie etwas verlauten lassen. Es muß ihn damals als loyalen und absolut hitlergläubigen Reichsbürger sehr getroffen haben. Er war nämlich in Hamburg beamteter Amtsleiter eines großen Postamtes mit über 100 Mitarbeitern und damit ganz bestimmt auch in der Partei und vermutlich nicht nur ein Mitläufer in der NSDAP.
Auch dieses Thema wurde bei uns in Wiesbaden nie angesprochen. Als dann das Hamburger Postamt ausgebombt war, ließ er sich nach Ellrich zur Familie seiner Frau Selma versetzen - in ein Mini-Postamt mit (nur) 5 Mitarbeitern. In der Nachkriegs-Hungerzeit - die begann im Winter 1945 - hatten unsere Eltern Gerhard und Valeria Redlich - quasi gezwungenermaßen - die Möglichkeit, von Berlin zu den Schwiegereltern nach Ellrich zu ziehen. Dort war mit viel Glück im Dachgeschoß des Postamtes eine leere Mansarde frei. Alle anderen Quartiere im weiten Umkreis und auch bei den Ellricher Verwandten waren mit total frustrierten ausgebombten Großstädtern überfüllt.
Unsere Oma Selma schaute auch über Jahre "nicht so begeistert" aus den Augen und starb noch zu Ostzonen-Zeiten mit etwas über 69 Jahren. Unser Opa Max durfte dann 1968 oder etwas später legal aus diesem armseligen Ostzonen-Kaff (in der 5 km Sperrzone) ausreisen und kam zu uns nach Wiesbaden in unser neu gebautes Reihenhaus.
Hier war er aber nicht mehr Amtsleiter, sondern nur der Opa Max und irgendwie war er nur Übergangs-Gast bei seinem Sohn Gerhard. Das gab öfter kleine Reibereien (= Mißverständnisse) zwischen uns, den Enkeln, und auch der Schwiegertochter Valeria. Unser Vater verkrümelte sich und wollte nicht zwischen die Fronten geraten. Opa Max zog dann recht bald zu seiner alten Jungend-Liebe und Nachbarstochter erst nach Hamburg Buxtehude und dann nach Hohe-Geiß (im Harz) und verstarb mit 89 Jahren an seinem alten Kriegsleiden. Unser Opa Max hatte nie verstanden, daß sich die Zeiten und insbesondere die Lebensweise der Enkel diametral verändert hatten.
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Die Großeltern aus Berlin
Die Großeltern aus Berlin Eduard und Helene Schandl verloren auch fast alles, weil die Stadtwohnung in der Tieckstraße 7 in Berlin Mitte ebenfalls ebenerdig zerbombt war. Doch Opa Eduard hatte schon in den 1920er Jahren für 100 Goldmark ein etwa 2000m² großes Gartengrundstück in Berlin Nord-Ost (in Karow) erworben und einiges dorthin ausgelagert. (Die kleine Laube im Garten wurde angeblich erst nach dem Kriegsende gebaut - kann aber so nicht stimmen.) Er hatte es als gebürtiger Tscheche aus Pilsen (oder Brünn) geahnt, daß es wohl so kommen würde. Das hatte mir unsere Berliner Oma Helene erzählt, auch sehr sehr spät, als ich bereits über 20 Jahre alt war. Auch hier gab es schwer verdauliche Themen aus den letzten Kriegsmonaten, und auch die wurden so gut wie nie angesprochen. Details kommen etwas weiter hinten.
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Wie ich inzwischen aus meinen Zeitzeugen- Befragungen (für meine Museen-Seiten) viel zu oft erfahren hatte, waren die allermeisten Überlebenden noch lange Jahre nach dem Kriegsende innerlich stark "lädiert". Und diese Themen waren wirkliche Tabu-Themen, die, wenn ich weiter gebohrt (gefragt) hätte, alte nie verheilte Wunden aufgerissen hätten.
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Ein paar Daten zu unseren Eltern und Großeltern :
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- Unsere Mutter Valeria Hilmar Schandl : 1919 - 1989 † mit 69 Jahren
- Unser Vater Gerhard Rudolf Redlich : 1919 - 2017 † mit 98 Jahren
- Unsere Oma Helene Therese Urban in Berlin - 1892 - 1972 † mit 80 Jahren
- Unser Opa Eduard Schandl in Berlin : 1880 - 1960 † - mit 80 Jahren
- Unsere Oma Selma Martha Schulze in Hamburg / Ellrich - 1895 - 1964 † mit 69 Jahren
- Unser Opa Max Friedrich Karl Redlich in Hamburg / Ellrich - 1888 - 1974 † mit 87 Jahren
- Unsere Ur-Oma Schulze in Ellrich ????
Unsere Urgrosseltern - von Opa Max : Herrman Wilhelm Redlich (Stralsund) - gestorben 1929 mit 93 Jahren
- von Oma Selma : Rudolf Schulze (Ellrich)
- Uroma Pauline Emalie Auguste geb Druck - gestorben zwischen 1924 und 1929
- Onkel Hermann Raffelsieper - Schwager von Oma Helene - (3.5.1895 bis 3.8.1963 †)
- Tochter Hildegard Zolldan - geborene Raffelsieper - (5.9.1913 bis 9.7.2007 †)
- Onkel Walter Urban - Bruder unserer Oma Helene - (??? - März April 1945 †)
- Sohn Heinz Urban (???)
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Die Fotos, die Personen und das Datum - so gut es geht .....
In dem kleinen Kasten (Bild ganz oben) mit den vielen Fotos hatte unsere Mutter die Fotos nach Jahrgängen sortiert, jedenfalls so gut es ging. Das Jahr 1989 war die Endzeit ihres Lebens mit 70 Jahren und mit dem damals unheilbaren Krebs wurde auch die Präzision des Gedächtnisses schwächer. Auf vielen Fotos ist neben dem Datum und manchmal etwas Text auch ein Fragezeichen zu sehen. Die Zuordnung mancher Bilder konstruiere ich aus den anderen übrig gebliebenen Familienunterlagen und aus dem Gedächtnis, in dem in "einigen hinteren Ecken" doch noch etwas von den Omas und Opas aufgefunden wurde.
Und jetzt im Juli 2026 ist wirklich keiner mehr da, der irgendetwas zusteuern könnte, das nicht auf den Rückseiten ab und zu zu finden ist. Die wenigen Schnipsel werden dann bei den Bildern untergebracht.
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Die historische Schiene zum Zweig unserer Mutter Valeria
Die Eltern unserer Mutter Valeria - Eduard und Helene Schandel - verblieben nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Ostteil der Stadt Berlin (unter russischer Verwaltung) - ganz einfach mangels irgendwelcher Alternativen. Die Wohnung und auch das Mietshaus - quasi die ganze Tieckstraße - in Berlin Stadtmitte war erdbodengleich eingeebnet. Und so wohnten Vater Eduard, Mutter Helene und Tochter Valeria teilweise in nur einem Zimmer bei den Verwandten, bei unserem Onkel Herrmann Raffelsieper - das war Helenes Schwager - ebenfalls in Karow - nur ein paar Straßen um die Ecke. Das dauerte bis kurz vor Kriegsende, als die (gemauerte) Gartenlaube leidlich bezugsfertig war.
Unsere Oma Helene Schandel geborene Urban war eine Ur-Berlinerin und hatte weitere 11 Geschwister. Davon haben wir Enkelkinder in den Jahren nach 1956 nur noch 3 kennengelernt. Außer unserer Oma Helene waren das Tante Luschi und Tante Mary. Dazu kamen der Schwager Onkel Herrmann Raffelsieper (der Mann von Annemarie Urban) und dann noch die Schwägerein Tante Mienchen (die Frau von Walter Urban). Warum die anderen Onkels nie in irgendwelchen Gesprächen benannt wurden, weiß ich nicht. Da muß etwas vorgefallen sein, daß sich die Brüder alle freiwillig und siegesgewiß zur Wehmacht gemeldet hatten oder hätten und alle der Reihe nach gefallen waren. Jedenfalls sind mit nur 5 Urbans namentlich erhalten.
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Es war so um 1910 - Zwei, die sich gefunden hatten .....
Unser Opa Eduard kam als Wandergeselle nach seiner Schneiderlehre (in der Tschechoslowakei) - das war damals total "cool" - irgendwann auch nach Berlin und lernte dort um 1910 die hübsche nur wenig kleinere 12 Jahre jüngere Helene Therese Urban kennen und lieben (nach heutigem Sprachgebrauch würden wir sie als Schnuckelmaus bezeichnen) ..... und von nun an blieb Opa Eduard sein Leben lang in Deutschland in Berlin hängen.
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Ein schweres Geschenk aus Prag - für die Ewigkeit
Von der Verwandschaft von Opa Eduard hatten wir Enkelkinder nur wenig mitbekommen. Es gab da einige Cousinen und Cousins aus Pilsen oder Brünn oder später aus Prag (z.B. eine Tante Lubitscha), die mit unserer Mutter Valeria über viele Jahre Kontakt hielten. Aber es war schwierig - damals war das alles hinter dem eisernen Vorhang, obwohl unser Opa Eduard ja entweder aus Pilsen oder aus Brünn stammte. Wir wissen es nicht mehr.
Jedenfalls schickte unsere Mutter Valeria öfter im Jahr so eine Art Care-Pakete nach Prag (und auch nach Ellrich), die dort in Prag nicht von irgendwelchen neidischen Ossis-Grenzern gefilzt wurden. Unsere Tante Lubitscha, so sprachen wir ihren Namen aus, wollte sich irgendwie dankbar und erkenntlich zeigen für die Pakete unserer Mutter nach drüben (= nach Prag), und das war das einzige (Gegen-) Geschenk von Wert (nach westlichen Maßstäben), das man damals trickreich exportieren durfte. Übrig geblieben aus dieser Ost-West Verwandschaft / Freundschaft ist eine wunderschöne schwere dezent gefärbte Bleikristall-Vase - von damals .... aus Tschechien.
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Helene und Eduard wohnten zusammen in einem preiswerten Arbeiter-Mietshaus in der Tieckstraße 7 in Berlin Stadtmitte, - unverheiratet - beinahe ein Novum zur damaligen Zeit - und waren ein glückliches aber armes Paar. Opa nähte Anzüge für die wohlhabenden Mitbürger in seinem Umfeld, allermeist Juden und später natürlich für seine bildhübsche Tochter Valeria, sein "ein und alles".
Und weil es immer am Geld mangelte, Oma Helene mußte wirklich scharf rechnen, was sie auf den Tisch bringen konnte, kaufte Opa Eduard (wovon eigentlich ?) einen kleinen Garten weit draußen in Karow (das war ein Tip vom Schwager Herrmann Raffelsieper. - Es war ein Glückstreffer, wie sich im späteren Bombenhagel herausstellte), damit Oma Helene dort nach Lust und Laune Obst und Gemüse anpflanzen konnte. Das war auf jeden Fall billiger, als es in der Großstadt zu kaufen.
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Im Frühjahr 1919 wurde "ein Ei gelegt" - unsere Mutter Valeria
Ungeplant und einfach mehr durch Zufall wurde Oma Helene im Frühjahr 1919 - in der Hungerzeit nach dem 1. Weltkrieg - schwanger. Und das auch noch unverheiratet, ein Unding auch im toleranten Berlin. Also wurde noch schnell geheiratet. Im September 1919 kam ein gesundes Mädchen zur Welt. Bei Schandels zog mit unserer Mutter Valeria das Glück ein.
Aus dieser Zeit sind nur sehr wenige Fotos erhalten, nur was bei Onkel Herrmann in seinem unzerstörten Haus verblieben war. Onkel Herrmann war ein gelernter Glasbläser und inzwischen wohlhabend geworden. Die Schwester unserer Oma Helene, seine Frau Annemarie, starb aber viel zu früh an Krebs, der damals - auch mit viel Geld - noch nicht heilbar war.
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Unser damaliger Uropa, also der Vater der 12 Urban-Kinder (angeblich 4 Mädels, der Rest waren die 8 Söhne) und damit Valerias Opa, war über seine Enkelin sehr glücklich, denn viele seiner anderen 12 Kinder hatten keine Kinder. Mehr ist fast nicht erhalten.
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Unser Opa Eduard war ein ganzes Stück älter als unsere Oma und das merkten wir Kinder recht bald. Er schneiderte sein Leben lang von Morgens bis Abends, auch auf seine alten Tage und wir Buben saßen neben dem Opa auf dem Schneidertisch und er freute sich riesig, weil wir fast jeden Sommer für 6 Wochen nach Ost-Berlin verfrachtet wurden (und Omas und Opas Leben aufmischten).
Unser Opa Eduard starb dann irgendwann mit 80 Jahren, als auch die Ärzte in der Charite in Berlin Buch nichts mehr machen konnten. Und von da an war unsere immer liebe Oma ganz alleine in dem kleinen Häuschen, natürlich nebenan mit ihrer Schwägerin unserer Tante Mienchen. Unsere Eltern holten sie mit dem 65. Lebensjahr offiziell nach Wiesbaden und Oma lachte wieder, für ein paar Jahre. Dann kam auch hier der Krebs und war nicht aufzuhalten.
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Die Onkels und Tanten unserer Mutter Valeria
Ein Bruder unserer Oma Helene war Onkel Walter Urban und der hatte mit seiner Frau Tante Wilhelmine das Grundstück direkt nebenan gekauft. Unsere Tante Mienchen mußte einen schweren Schicksalsschlag erleben, den sie nie mehr verkraftet hatte, denn Onkel Walter wurde quasi am letzten Kriegstag im Dachgeschoß der Berliner Stadtwohnung von einer englischen Luftmine zerrissen, als alle anderen Hausbewohner bereits im Luftschutzkeller warteten. Sie wartete vergebens und ist dadurch aus dieser realen Welt geistig etwas "entrückt". Sie war völlig vernarrt in den russischen Kommunismus und wir sie nannten später nur noch unsere Kommunisten-Tante. Jedoch zu uns Enkelkindern war sie zeitlebens eine geniale liebe Tante. Wir durften bei ihr alles, das bei unserer Oma nebendran verboten war.
Walter und Wilhelmine hatten einen Sohn - Heinz Urban -, Cousin unserer Mutter Valeria, für uns Kinder ein Onkel. Unser Onkel Heinz heiratete in Ost-Berlin ganz früh ein Mädchen aus Karow, das er geschwängert hatte - oder das sich hatte schwängern lassen. Der Gesichtsausdruck von Heinz Urbans erster Fau auf dem Foto spricht Bände. Der aus dieser Ehe geborene Sohn Peter war leider auch keine große Leuchte, er war deshalb Maurer geworden.
Durch Zufall oder wie auch immer lernte Heinz Urban um 1945 im Westen Deutschlands eine Hotelerbin aus Stutttgart Gerlingen kennen, unsere Tante Inge, und wie sagte man damals (also wie bei Eduard und Helene Schandel) - auch hier Liebe auf den ersten Blick. Er blieb sein Leben lang in Stuttgart Gerlingen und kam nie wieder nach Ost-Berlin zurück. In Stuttgart gab es ziemlich bald zwei Töchter in meinem (unserem) Alter, Hannelore (1949) und Karin (1946), die das Familien-Hotel Schillerhöhe über Jahrzehnte führ(t)en.
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Die historische Schiene zum Zweig unseres Vaters Gerhard
Unser Vater Gerhard kam am 1. Mai 1919 zur Welt, als der 1. Weltkrieg bereits vorbei war. Über die Umstände der Schwangerschaft von Oma Selma und wie es überhaupt dazu kam, haben wir Enkel wenig übermittelt bekommen. Die wenigen Fotos von Oma Selma und Opa Max sprechen aber eine eigene Sprache. Schaun Sie in die Gesichter. Max Redlich kam mit erheblichen Magen-Darm Problemen von der Jugoslawien-Front zurück nach Hamburg ins Lazarett. Dort in Jugoslawien gab es monatelang nur verseuchtes oder schmutziges Wasser und fast alle Soldaten der unteren Ränge waren krank - Durchfall und Erbrechen Tag und Nacht, also die ganze Zeit krank.
Uns Enkeln erschien es so (als wir beinahe erwachsen waren), als war das eine beinahe orientalisch arangierte Zwangsheirat einer unverkäuflichen Braut. "Hier hast Du einen standesgemäßen Mann mit sicherem Einkommen und den nimmst Du jetzt und damit basta." Unser Vater bekam auch nie ein Brüderchen oder eine Schwester oder wir erfuhren davon nichts. Von Liebe war in den Gesichtern von Oma und Opa nichts zu erkennen. Als mein Bruder und ich in unseren pubertären Jahren waren, witzelten wir über die Oma Selma : "Opa Max hat es nur einmal probiert und nicht für gut befunden .... und das wars dann."
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Die Redlichs kamen fast alle aus Rostock. Wir Wiesbadener Redlichs hatten aber dorthin nie irgendwelche Kontakte - zumal das in der tiefen Ostzone lag. Ich weiß aber auch nicht mehr,wie der Opa Max nach Hamburg in den Postdienst gekommen war und wieso er dann eine Landpommeranze aus dem kleinen Kaff Ellrich im Süd-Harz geheiratet hatte. Wir haben auch nur ein Bild vom Vater unseres Opas Max Redlich, unserem Rostocker Uropa. Wie das alles zusammen hing, ist im Moment nicht mehr aufzudröseln. Es müsste noch ein paar Brüder gegeben haben, die alle im 2. Weltkrieg gefallen waren.
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Wie schon angeführt sind in der Hamburger Wohnung alle Unterlagen restlos verbrannt, auch die persönlichen Unterlagen unseres Vaters Gerhard. Unser Vater mußte 1939 zur Reichswehr einrücken und kam nach Finnland und zwar ganz ganz nach oben in den hohen Norden. Mehr darüber kommt weiter unten.
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Es geht weiter mit dem Berliner Leben der Valeria Redlich
Unsere Mutter Valeria Schandel war eine aufmerksame und fleißige und begabte Schülerin. Und dazu war sie bereits in jungen Jahren ein ausgesprochen hübsches Mädchen. Und unser Opa Eduard paßte auf seinen über alles gliebten Schatz auf wie Lux, daß ihr kein Malheur passierte (aus eigener Erfahrung). Jedenfalls hat uns das unsere bereits in Wiesbaden wohnende Oma so erzählt, als es nämlich mit Valerias Pubertät losging.
Gefährlich wurde es für Papa Eduard, als Tochter Valeria 1936 mit der Handelschule fertig war und als siebzehnjährige mit der S-Bahn alleine zu ihrem ersten Arbeitsplatz fahren sollte (oder mußte). Papa Eduard wollte sie unbedingt hinbringen und natürlich auch wieder abholen ..... - kennen wir das nicht von unseren Eltern-Taxis ?
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Nach einigen Versuchen bei zwei kleineren Firmen (das steht auf der weiter oben referenzierten Seite) suchte und fand sie im Sept. 1937 eine Anstellung bei der UFA-Handel Berlin, einer Tochterfirma der großen reichseigenen UFA AG mit über 2.800 Mitarbeitern. Die UFA-Handel baute im ganzen Reichsgebiet und im besetzten Europa neue Kinos und richtete auch die Technik ein und betreute diese Technik. Und hier in der UFA Zentrale in der Krausenstraße 38 gab es Männer jeden Alters ohne Ende, die einen arbeiteten fest in der Hauptverwaltung, die anderen von Berlin aus im Daueraussendienst und dann noch die Techniker, die nur einmal im Jahr zum UFA Fest nach Berlin kamen.
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Und wie immer waren damals schon - 1937 - jede Menge an Schaumschlägern, Smartyboys, Spinnern, Salon-Löwen und Angebern unter dieser Auswahl von heiratsfähigen, aber damals noch nicht heiratswilligen Männern. Die suchten - wie von manchen Eltern aus den 1920er Jahren gelernt -, das gedankenlose "Vergnügen". Das mit der Heiratswilligkeit wurde erst mitten im 2.Weltkrieg von Reichsminister Göbbels "lanciert".
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Valeria und die Zeit bei der UFA
Duch ihren strengen Vater Eduard bislang in der Entwicklung und bei den Erfahrungen (mit dem anderen Geschlecht) etwas blockiert, war unsere Mutter Valeria anfänglich ein süßes aber verkappt einfältiges Ding. Valeria aber erkannte sehr schnell, welche Typen der UFA Kollegen bei ihr auf jeden Fall abbllitzen mußten. Der Austausch mit den neuen Kolleginnen gelang ebenfalls recht gut und wieder waren neue Freundinnen gewonnen.
Die alten Freundinnen aus der Schulzeit in der Handelsschule waren ja alle auf merkwürdigste Weisen "verschwunden". Und Valeria lernte schnell, worauf sie auch in den kollegialen Gesprächen achten sollte und mußte.
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Hier geht es noch weiter - bald
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Unser Vater Gerhard aus Hamburg
Von unserem Vater Gerhard habe ich nur ganz wenige Episoden, Anekdoten und Geschichten in Erinnerung. Und so, wie wir unseren Opa Max ein paar Monate bei uns in Wiesbaden viele viele Jahre später kennengelernt hatten, muß die Jungendzeit nicht gar so glücklich gewesen sein. Opa Max war extrem (unverhältnismäßig) streng, der damaligen Zeit geschuldet. Unser Vater Gerhard hatte das leider geerbt. Da war unser Opa Eduard in Berlin ganz anders, er liebte seinen Schatz Valeria über alles und war trotzdem streng.
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Opa Max war in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg im Postdienst aufgestiegen und ein Amtmann mit einem stabilen Gehalt und dem gesellschaftlichen Status war nach Kriegsende für eine Landpomeranze aus einem Kaff wie Ellrich eine gute Partie. Sieht man sich heutzutage die Hochzeitsfotos von Selma und Max an, kommen einem merkwürdige Gedanken, wie das wohl im Bett geklappt haben könnte. Also einmal hat es offensichtlich geklappt. Das jedefalls ist völlig konträr zu den Eltern unserer Mutter Valeria.
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Unser Vater "durfte" ab 1925 die Volksschule besuchen und dann mußte er eine Elektrikerlehre machen. Da gab es von den Eltern überhaupt kein Ansinnen wie bei Opa Eduard in Berlin, daß dem Bub später mehr Bildung riesige Chancen bieten würde. An einen neuen Krieg hatte vor 1930 niemand gedacht.
Jedenfalls machte unser Vater eine Lehre bei einem Hamburger Scherzbold, der die inzwischen in Mode gekommenen Radios verkaufte. Und unser Vater - immer noch Lehrling - mußte die Dinger ausliefern und anschließen. Einmal hatte der überredete "Kunde" noch gar keinen Srom und unser Vater erntete die Ohrfeige(n). Es gab quasi nur eine Besonderheit in der Jugend, er durfte oder sollte auf Drängen der Mutter Selma Klavierspielen lernen und hat es auch gemacht. Das hatte ihm später im Krieg viele viele Freunde - auch bei den Vorgesetzen - gebracht und viele Türen geöffnet.
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Dennoch war die Lehre hilfreich, in einer großen Werft an einem der ersten Frachtschiffe mit Elektroantrieb mitarbeiten zu können. Doch dann kam der zweijährige "freiwillige" Arbeitsdienst und aus wars mit der Sympathie für den Führer und das ganze populistische Getue und die Lügen der NS-Regierung. Warum und wie er zur UFA-Handel zum Kinobau nach Berlin kam, ist nur noch bruchstückhaft in Erinnerung. Jedenfalls auch da waren es nach 3 oder 6 Monaten wieder vobei. Er wurde nämlich einberufen. Vater war mit seinen 21 Jahren stinke sauer, er sollte dann 1941 auch nach Russland. Bei den ungenRekruten machte eine Information die Runde. Wer sehr gut morsen könne oder konnte könne in die Etappe kommen, also nicht an die Front. Also lernte er und nur ein Kamerad die ganzen Nächte Morsen, während die anderen sich ihren Frust durch Saufen verdrängten.
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Glück gehabt, es ging ab nach Finnland (nicht nach Russland)
Die finnisch russische Grenze ist über 1000 Kilometer lang und 200 Kilometer davon ist ein 20 km breiter Sumpf, ein nahezu undurchdringlicher Sumpf. Und so gab es nur einmal einen russische Versuch, eine Vorhut, dort oben in Finnland einzudringen, sonst war es sehr ruhig da oben. Aber es war sehr weit weg von der Heimat.
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Von den Fronturlauben ist nur wenig berichtet oder erzählt worden. Es gibt davon aber mehrere Bilder mit Eltern und Schwiegereltern in Hamburg, Berlin und Ellrich.
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Im Herbst 1943 wurde geheiratet
Diese Kriegshochzeiten gaben mir damals als 25-jährigen immer wieder Rätsel auf. So hatte ich unsere Mutter Valeria nach dem ersten großen Ehekrach gefragt, warum sie denn unseren Vater Gerhard in 1943 überhaupt geheiratet hatte. Sie kannte ihn doch fast nur flüchtig aus der kurzen UFA Kollegen-Zeit. Es gab da verschiedene gemeinsame Fronturlaube mit Fotos aus Hamburg und aus Bayern. Er wäre einer der wenigen sympathischen jungen Männer gewesen, die es dort beider UFA gab.
Da wäre zwar noch ein Gerd gewesen, der aber bereits 1941 den rechten Arm verloren hatte. Wieder andere junge attraktive Kollegen kamen noch vor 1943 als Krüppel mit einem Bein aus allen Ecken dieser Welt nachhause und zur UFA zurück. Und, was für eine Frau ganz wichtig war, nachdem es bei Mama und Papa Schandel zuhause immer Geldprobleme gab, dieser Gerhard Redlich konnte mit Geld umgehen und hatte am Monatsende mmer noch Geld verfügbar. Die anderen UFA Kollegen, die überhaupt noch da waren, waren Hallotris und Schaumschläger, die bereits am 15 eines Monats ihre Kollegen anpumpen mußten. Sie hatten ihr Gehalt bereits versoffen.
Ich nannte das später eine reine Vernunftsehe mit etwas Sympatie und Liebe und auch Spass am Sex. Unsere Mutter war groß und schlank und hatte mit ihren langen Beinen eine fantastische Figur und sah blendend aus. Auch unser Vater Gerhard war eine stattliche Gestalt und er hatte 2 rechte Hände und konnte bei den Omas und Opas, den Tanten und Onkels so manches Malheur reparieren.
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Die Zeit nach Kriegsende war eine schlimme Zeit
Mehr dazu lesen Sie auf den beiden weiter oben referenzierten Zeitzeugen-Seiten.
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1947 - Als das Leben sich so langsam normalisiert hatte
Als unser Vater Gerhard Ende 1945 aus Finnland nachause kam, erst ins ausgebombte Hamburg, dann ins ausgebombte Berlin, hatte unsere Mutter Valeria breits zwei Abreibungen sogenannter Russenbastarde hinter sich. Die Russen hatten Berlin erobert und sich an allen Frauen gerächt, die sie auftreiben konnten.
So blieb für die beiden Redlichs in Karow kein Platz und die einzig Alternative war, sich zu den Verwandten in das nahezu unzerstörte Ellrich im Südharz durchzuschlagen. Ellrich kannten damals nur die Eingeweihten und die Reichsbahner. Der Eisenbahn-Tunnel nach Wakenried und Bad Sachsa war so versteckt, daß ihn die Engländer und Amis nicht bombardiert hatten und es war Anfang 1945 die einzige noch intakte Schienenverbindung vom gesamten Osten in den Westen Deutschlands. Dort fuhren die Flüchtlingszüge in der Nacht ins westliche Reichsgebiet.
Liebe hin, Liebe her, unser Vater sorgte für seine Valeria
In 1946 wurde die allgemeine Hoffnungslosigkeit in einem völlig zerstörten Land ganz langsam aber mühsam überwunden. Und die zwei Redlichs dachten über eine Familienplanung nach. Unser Vater bekam eine Stelle bei seinem Beinahechef bei der UFA, der in Sülzhein ein kleines Dorf-Kino betrieb. Auch unsere Mutter dachte an die Zukunft und der Wunsch nach Kindern wurde immer stärker. Unsere Mutter war inzwischen 27 Jahre alt gworden. Und wirklich, im Dezember 1947 kam ein strammer gesunder Bub auf die Welt, mein Bruder Edgar. Edgar war von nun an der Lieblling seines Vaters und unser Vater führ mit dem alten klapprigen Damenrad, das er gegen einen Sack Kartoffeln getauscht hatte, bis zu 25 Kilometer Richtung Nordhausen, um für den kleinen Edgar frische Milch zu ergattern. Und unsere Mutter war glücklich, daß ihr Gerhard keiner von den Schaumschlägern aus der UFA Zeit war.
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